Elternpraktikum an der Fritz-Straßmann-Schule

 
Wie ist das, wenn man ein Kind hat? Welche Veränderungen bringt ein Baby in den gewohnten Tagesablauf und wie reagiert die Umwelt auf jugendliche Eltern? 
 
Das wollten 16 Jugendliche der 9. und 10. Klassen der Fritz-Straßmann-Schule in Erfahrung bringen und meldeten sich für die Teilnahme am Elternpraktikum, welches von Monika Müller und Ingrid Gundert-Waldforst von der Beratungsstelle donum vitae in Zusammenarbeit mit Hermann Schmitt von der Jugendbegegnungsstätte St. Michael in Boppard angeboten wird. 
Im Rahmen des Praktikums übernahmen die Jugendlichen für drei Tage Verantwortung für eine Säuglingspuppe, welche die Bedürfnisse eines echten Säuglings (z. B. nach Nahrung, Aufstoßen, Windelwechsel oder Körperkontakt) simuliert. Alle Teilnehmer wurden mit einem Erkennungschip ausgestattet, der sicherstellte, dass die von der Puppe geforderten Pflegemaßnahmen auch tatsächlich von den jeweils betreuenden Schülerinnen und Schülern durchgeführt wurden.
 
Wie gut sich die Jugendlichen bei der Versorgung „ihres Babys“ dann tatsächlich anstellten, wurde von dem Computer in der Puppe registriert, so dass am Ende des Praktikums eine individuelle Auswertung stattfinden konnte. Dabei wurde nicht nur festgestellt, ob die „Eltern“ die Ursache für das jeweilige Schreien finden und beseitigen konnten, sondern auch rückgemeldet, wie der Umgang mit der Puppe war. Eine falsche Lagerung wurde ebenso registriert wie das Vergessen des Abstützens des Köpfchens beim Aufnehmen und Tragen. Natürlich wurde beim Programmieren der Säuglingspuppen auf die Simulation eines möglichst realitätsnahen Tagesablaufs geachtet, was für die Schülerinnen und Schüler bedeutete, dass sie auch nachts von „ihrem Baby“ gefordert wurden. Aber auch die Tage gestalteten sich für die Jugendlichen anders als gewohnt, da alle geplanten Unternehmungen erst bezüglich „Babytauglichkeit“ hinterfragt werden mussten. Ungewohnt für die Schülerinnen und Schüler war sicherlich auch, auf die Reaktionen ihrer Mitmenschen reagieren zu müssen. Neben irritierten Blicken wurden sie mit Nachfragen konfrontiert und im Freundeskreis sorgte „das Baby“ natürlich ohnehin für Aufsehen und Erklärungsbedarf. 
 
Obwohl das Elternpraktikum für die Jugendlichen eine ungewohnte Belastung darstellte, die auch als solche bei den täglichen Gesprächsrunden rückgemeldet wurde, hatten alle den Ehrgeiz, „ihr Baby“ bestmöglich zu versorgen, rund um die Uhr! Derart auf ihre neue Aufgabe eingestellt, bedauerten dann auch einige Praktikumsteilnehmer den „Abschied von ihrem Baby“ am Ende ein wenig.
Entsprechend positiv war dann auch das Resümee der Schülerinnen und Schüler zum Ende des Elternpraktikums: Ausnahmslos alle Teilnehmer empfehlen anderen Jugendlichen die Teilnahme am Praktikum, weil es eine „super Erfahrung“ sei. Es waren „zwar anstrengende, aber schöne Tage, man sollte es unbedingt mal ausprobiert haben.“    
Ziel des Praktikums ist, dass die Jugendlichen realitätsnah erfahren können, was es bedeutet, für einen Säugling verantwortlich zu sein. Dadurch soll nicht der Kinderwunsch beeinträchtigt, sondern ein verantwortungsvoller Umgang mit der eigenen Sexualität im Hinblick auf die persönliche Lebensplanung gefördert werden. 

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